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Das A0 Konzept, Desinfektion mit Wasserdampf

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Mit RDGs (Reinigungs- und Desinfektionsgeräte) in Pflegeheimen wird die Desinfektion von Pflegeutensilien und Medizinprodukten angestrebt. Dieses Verfahren hat eine Reduktion von Infektionserregern zum Ziel. Die Leistung wird daran gemessen, welchen Wirkungsbereich es umfasst und um welchen Reduktionsfaktor die Keimmenge vermindert wird. Sie ist deshalb abhängig von

- der Höhe der Ausgangskeimzahl,
- welche Keime es sind und
- was der Verwendungszweck des zu desinfizierenden Materials ist.

Zur Messung der Leistung wird bei den mit feuchter Hitze arbeitenden thermischen Verfahren der A0 Wert berechnet. Er entspricht der Zeit in Sekunden, die notwendig ist, um bei einer Temperatur von 80 °C eine Desinfektion zu bewirken. Höhere Temperaturen bewirken eine Verkürzung der Einwirkzeit.

Temperatur °C Haltezeit in Sekunden A0 Wert
80 60 60
90 6 60
80 600 600
80 3000 3000
70 6000 600
90 60 600
93 60 1200

Ein A0 Wert von 60 wird als ein üblicherweise vertretbares Minimum für Produkte angesehen, die nur mit der unversehrten Haut in Berührung kommen und bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie eine hohe Anzahl hitzeresistenter pathogener Organismen enthalten. Es wird betont, dass dies geringe Keimbelastungen vor der Desinfektion und die Abwesenheit hitzeresistenter Organismen, die ernsthafte Krankheiten beim Menschen hervorrufen können, voraussetzt.

Dies ist in der Regel bei der Verwendung in Pflegeheimen nicht ausreichend und deshalb verlangen die Gesundheitsämter beziehungsweise Aufsichtsbehörden A0 Werte von mindestens 600.

In der DIN EN ISO 15883-2, Reinigungs-Desinfektionsgeräte mit thermischer Desinfektion für chirurgische Instrumente, Anästhesiegeräte, Gefäße, Utensilien, Glasgeräte usw. heißt es unter anderem im Punkt 4.3 (auszugsweise):

- Jeder Prozess muss eine thermischer Desinfektionsstufe enthalten, bei der die Dauer, während der die Beladung auf Desinfektionstemperatur gehalten wird, bei Prüfungen auf allen zu desinfizieren den Oberflächen der Beladung einen A0 Wert von mindestens 600 ergibt.

- Das RDG muss ein Einstellen von Desinfektionszeiten und –Temperaturen zulassen, mit denen A0 Werte bis zu einem Höchstwert von mindestens 3000 erreicht werden.

Worauf kommt es bei RDGs also an?

1. Reinigungsleistung – eine starke Pumpe stellt eine gute Reinigung der Gefäße sicher.

2. Für eine kurze Prozesszeit muss eine möglichst hohe Temperatur erzielt werden.

3. Nach der Desinfektion muss das Spülgut rückgekühlt werden, um Verbrennungen zu vermeiden. Die Rückkühlung mit Luft verlängert die Prozessdauer, bei der Rückkühlung mit Wasser muss das Spülgut in einem  Abtropfregal zwischengelagert werden.

4. Verbrauchsmengen: Um die optimale Reinigung zu erzielen muss eine bestimmte Menge Wasser gefördert werden. Um die gewünschte Desinfektionsleistung zu erzielen muss der Wasserdampf in der Spülkammer auf eine definierte Temperatur gebracht werden. Hier sind nur marginale Verbrauchsmengenunterschiede (Wasser/Energie) zwischen den Produkten möglich.

5. Edelstahl ist Kunststoff vorzuziehen: Nach einer Studie der Uni Leipzig sterben Bakterien auf einer Edelstahloberfläche schneller ab, als auf einer Oberfläche aus Kunststoff. Dies betrifft unter anderem die Absterberate von Escherichia coli, jenes Bakteriums, das im menschlichen Stuhl vorkommt und in hohem Grad für Sekundärerkrankungen in Kliniken verantwortlich gemacht werden kann. Laut Statistik sterben jährlich mindestens 20.000 Patienten an den Folgen von Zusatzinfektionen in deutschen Krankenhäusern, die Dunkelziffer soll weitaus höher liegen. Unter das Mikroskop genommen wurden aber auch die Mikroorganismen Pseudomonas aeruginosa (Nass  und Pfützenkeim), Staphylococcus aureus (resistenter Trockenkeim) und Candida albicans (humanpathogener Pilz). Das Ergebnis: Die Überlebensrate der Bakterien ist auf Kunststoff nahezu doppelt so hoch wie auf Edelstahl.

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